labor meets liebe.
druckfrisch.

7 Mrz

Suche_kochenden_Betthasen

Hmmm… – gut riecht es und es sieht gut aus und fasst sich noch dazu gut an: Das erste Exemplar des Betthasen. Ab dem 1. April gibt’s den auch im Buchladen um die Ecke, aber so lang heißt es noch: abwarten. Oder bereits beim Versandhändler der Wahl vorbestellen.

Apropos: Amazon gruppiert den Lesestoff übrigens nicht nur unter ‘Gesellschaft’, sondern auch unter ‘Kochen & Genießen’. Dabei geht es vor allem um die Liebe (doch die geht ja bekanntlich auch durch den Magen): Wie findet man den Traumpartner? Und wo? Abends in der Bar oder doch eher bei Onlineportalen? Führt, wie der Name suggeriert, Speed-Dating tatsächlich zu schnellem Liebesglück? Ziehen sich Gegensätze wirklich an? Und wann ist der optimale Zeitpunkt, ‘Ich liebe dich’ zu sagen?

Gemixt wird die Beantwortung des Fragen-Potpourris mit einem Einblick in die Wissenschaft, die zwar allzu gern im Verborgenen herumwerkelt, aber in diesem Buch den Sprung in das wirkliche Leben wagt. Denn es gibt zahlreiche wissenschaftliche Erkenntnisse, die unsere Intuition verblüffen und unsere Augen öffnen können und, richtig genutzt, sowohl das Leben als auch die Liebe vereinfachen können.

Labor meets Leben
Happy Birthday, liebes SOEP!

21 Sep

Foto von Aih.

Das SOEP wird 30!

Man munkelt ja bekanntlich, mit 30 finge das Leben erst richtig an und so wurde dieser Meilenstein gestern entsprechend enthusiastisch mit einem Hoch auf die Happiness-Forschung zelebriert. Denn insbesondere die Erforschung des Wohlbefindens wurde vom SOEP, einer großangelegten Längsschnittstudie mit mittlerweile 30.000 Befragungen jährlich, befeuert.

Aber nicht nur das: Dieser Daten-Schatz bildete auch die Grundlage für die eigene Dissertation zum Thema Persönlichkeitsentwicklung (siehe auch hier und hier). Umso höher schlägt das Wissenschaftlerinnen-Herz vor Freude darüber, dass ein Teil dieser Arbeit (in Zusammenarbeit mit Boris Egloff und Stefan Schmukle entstanden) mit einer Auszeichnung bedacht wurde.

Passend zum SOEP-Geburtstag berichtet außerdem die populärwissenschaftliche Zeitschrift bild der wissenschaft in einem Special über die Vorzüge dieses umfangreichen Datensatzes, stellt dabei auch detailliert die eigene Forschung vor und verrät im Portrait, dass der Traumberuf bis kurz vor knapp eigentlich der einer Journalistin war. Dies und mehr gibt’s frisch in der aktuellen Ausgabe am Kiosk des Vertrauens oder hier zum kostenlosen Download.

Labor meets Liebe
Seele baumeln

19 Sep

Foto von Jakob Esben H.

Es fehlt noch der Feinschliff. Hier ein Wort mehr, dort eines weniger, abgerundete Formulierungen und einige einleitende Worte zu Beginn. Aber das kümmert im Moment nicht. Denn das letzte Kapitel hat seinen Weg von Kopf und Herz über die Finger in das Textverarbeitungsprogramm gefunden. Und jetzt ist erst einmal Zeit für Festlichkeit. Heute mit Jungspund (dem neuen Lieblingswein), morgen samt Happiness beim SOEP-Geburtstag und ab Sonntag beim kollegialen Get-together. Danach werden die Buchstaben ein weiteres Mal gedreht und gewendet und wenn der Kalender mit dem neuen Monat droht, geht’s ab dafür.

Labor meets Liebe
Halbzeit

4 Jul

Foto von Christian Gonzalez

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Zwei Monate ist es her, dass sich das erste Wort aufs Papier geschlichen hat und heute hat das Buchprojekt die Halbzeit erreicht. In 11 Kapiteln wurde unter anderem die Dreiecksbeziehung aus allen Blickwinkeln beleuchtet, die Liebe im Netz gesucht und die Notwendigkeit für guten Sex wissenschaftlich untermauert. Jetzt warten noch weitere 170.000 Zeichen darauf liebevoll in weitere 11 Kapitel verpackt zu werden um dann beim Verlag auf Herz und Nieren geprüft zu werden. Wer die Zeit bis zur Veröffentlichung nicht untätig bleiben, sondern die Größe der Erstauflage positiv beeinflussen möchte, kann das Buch beim Händler um die Ecke oder hier übrigens schon vorbestellen.

In der Zwischenzeit kommt hiermit die Empfehlung den Marriage Hack von Eli Finkel und Kollegen auszuprobieren. Der hat das Ziel die Beziehungszufriedenheit langfristig aufrecht zu erhalten und eignet sich besonders für frisch Verliebte mit Ambitionen auch noch in ferner Zukunft auf Wolke sieben zu schweben. Die Idee dabei ist, Beziehungskonflikte konstruktiver lösen zu können, indem diese aus der dritten Perspektive betrachtet werden. Das Schöne daran: das Ganze lässt sich ohne viel Aufwand in lediglich 21 Minuten pro Jahr umsetzen.

Bei 120 Paaren aus Chicago hat das hervorragend funktioniert: Personen, die sich über ein Jahr hinweg dreimal sieben Minuten Zeit nahmen um einen Beziehungskonflikt zu lösen, konnten ihre Beziehungszufriedenheit stabil halten, während bei Personen ohne diese Intervention die Beziehungszufriedenheit mit der Zeit sank. Wer diesen typischen Abwärtstrend aufhalten möchte, dem sei der folgende Film mit detaillierter Anleitung empfohlen und ans Herz gelegt besser jetzt als gleich damit zu beginnen. Denn wieder wettmachen, was die Zeit der Beziehung schon genommen hat, ist leider auch damit noch nicht möglich.

Eli Finkel beim TED Talk zum Thema Marriage Hack

 

Labor meets Liebe
Suche kochenden Betthasen: Ein Revival

17 Mai

Foto von morBCN

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Während der Blog zurzeit die Beine hochlegt, tanzen bei seiner kleinen Schwester, dem Buch to be, die Buchstaben nur so über die Seiten. Gleichzeitig wird vom Rowohlt-Verlag tatkräftig die Veröffentlichung vorbereitet. Als Resultat erlebt der Titel eines Blog-Artikels ein Revival und glänzt nun auf dem Cover des Buches, das es sich zum Ziel gesetzt hat den Sprung vom Elfenbeinturm in das echte Leben zu wagen. Wie das dann aussieht, kann man sich hier anschauen. Die Veröffentlichung im April 2014 ist damit definitiv ausgemachte Sache und es wird Zeit die bunten Buchdeckel mit Inhalt zu füllen. Here we go!

Labor meets Liebe
Liebst du dich?

25 Feb

Bild von Caravaggio (über Wikipedia)

Zu den Vorzügen und Tücken äußerlicher Ähnlichkeit: Wie anziehend fänden wir uns selbst als Partner/in? Und ist die Liebe zu uns selbst eher förderlich oder hinderlich für unsere Partnerschaft?

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Narziss, ein Sohn der griechischen Mythologie, war so von seiner Selbstliebe erfüllt, dass er sich in sein eigenes Spiegelbild verliebte. Und diese Liebe endete tödlich, denn als er sich seinem im Wasser spiegelnden Selbst entgegen beugte, fiel er ins Wasser und ertrank. Nun ist die Selbstliebe im Allgemeinen nicht ganz so unersättlich wie bei oben beschriebenem Jüngling und endet wohl auch meist nicht so desaströs. Manche Lebensweisheit suggeriert sogar, dass man erst dann andere lieben kann, wenn man sich selbst liebt. Aber: Wie anziehend finden wir uns denn nun eigentlich selbst? Und wie wirkt sich das auf unsere Beziehungen aus?

Chris Fraley und Michael Marks (2010) sind dieser Frage nachgegangen und haben Personen in ihr Labor gebeten und sie fotografiert. In einem späteren und scheinbar unabhängigen Experiment sollten diese Personen die sexuelle Attraktivität von fotografierten Personen bewerten. Dabei handelte es sich allerdings nicht um tatsächliche Personen, sondern um gemorphte Gesichter, bei denen Fotos von unbekannten Personen und das zuvor von ihnen gemachte Foto optisch vermischt wurden. Sahen Personen gemorphte Fotos, in denen ihr Bild enthalten war, dann fanden sie dieses bedeutend attraktiver als gemorphte Fotos von unbekannten Personen. Personen fühlten sich also sexuell stärker zu Personen hingezogen, die ihnen ähnelten.

Das Ergebnis dieser Studie würde bedeuten, dass Menschen dazu tendieren, sich genetisch ähnliche Partner zu suchen. Zwar passt dies famos zu dem altbekannten Sprichwort „Gleich und Gleich gesellt sich gern“, geht aber mit dem Risiko einher, sich mit genetisch zu ähnlichen Personen, nämlich Verwandten, zu paaren. Tatsächlich fanden Fraley und Marks (2010) in einer weiteren Studie, dass die sexuelle Anziehung rapide sank, sobald die Personen wussten, dass es sich bei den Fotos um gemorphte Bilder ihres eigenen Fotos handeln könnte. Der Gefahr vor übergroßer Ähnlichkeit bei Paaren scheint also entgegengewirkt zu werden, indem genetische Überähnlichkeit tabuisiert wird.

Diese Form der Selbstliebe scheint sich jedoch nicht nur auf potentielle Partner, also das andere Geschlecht, zu beziehen: Lisa DeBruine (2004) zeigte Personen jeweils zwei gemorphte Fotos gleichzeitig und bat sie anzugeben, welche der beiden abgebildeten Personen sie attraktiver finden. Sie bezog sich dabei nicht nur auf die sexuelle Attraktivität, sondern gutes Aussehen im Allgemeinen. Wieder fanden die Befragten die Personen attraktiver, in denen ihr eigenes Foto beim Morphing berücksichtigt wurde. Dies galt sowohl für Männer als auch für Frauen und sowohl für männliche als auch für weibliche gemorphte Gesichter.

Allerdings war der Effekt besonders ausgeprägt, wenn die gemorphte Person das gleiche Geschlecht hatte wie die bewertende Person. Das heißt: Frauen finden ihnen ähnliche Frauen attraktiver, Männer ihnen ähnliche Männer, aber nicht unbedingt ihnen ähnliche Personen des anderen Geschlechts. Das spricht dafür, dass wir Personen positiver sehen, die uns ähnlich sind, weil sie uns zum Beispiel vertrauter sind, dass unsere Partnerwahl davon jedoch deutlich weniger beeinflusst ist. Zu einem ähnlichen Ergebnis kamen übrigens Robert Zajonc und Kollegen (1987): Sie fanden, dass sich Paare kurz nach der Hochzeit zwar noch wenig ähnelten, sich aber nach 25 Ehejahren überzufällig ähnlich sahen. Und diese Ähnlichkeit war besonders bei den Paaren ausgeprägt, die in einer glücklichen Beziehung lebten.

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Schauen wir auch über den Tellerrand dieser Befunde hinaus, sprechen die meisten Studien dafür, dass eine übersteigerte Selbstliebe (→ hoher Narzissmus) zu vielen Komplikationen führt und stabile, glückliche Partnerschaften nahezu aussichtslos werden lässt. Genauso aber scheint ein Minimum an Selbstliebe (→ geringer Neurotizismus) notwendig zu sein um eine erfüllte Beziehung zu führen.

Darüber hinaus scheinen wir uns unbewusst Personen hingezogen zu fühlen, die uns ähnlich sehen, wobei dies besonders stark für Personen des gleichen Geschlechts gilt. Sind wir uns einer genetischen Ähnlichkeit bewusst, kommen andere Mechanismen, wie gesellschaftliche Normen hinzu, die uns vom Risiko des Inzests bewahren. Kann eine genetische Überähnlichkeit jedoch ausgeschlossen werden, verspricht eine äußerliche Ähnlichkeit womöglich eine erfolgreiche Beziehung.

Labor meets Liebe
Rot wie die Liebe?

11 Feb

Foto von Liz Kasameyer

Rot ist die Farbe der Liebe. So wird es häufig angenommen. Aber: Rot ist vielmehr die Farbe der sexuellen Anziehung. Denn die Farbe Rot ist ein hervorragendes Aphrodisiakum. Aber in festen Partnerschaften eher nicht empfehlenswert.

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Mit „Romantic Red“ beginnt, ungewohnt sentimental, ein Artikel von Andrew Elliot und Daniela Niesta aus dem Jahr 2008. Ganz so romantisch ging es im Labor allerdings nicht zu: Junge Männer sahen Fotos von jungen Frauen in unterschiedlich gefärbten Oberteilen vor unterschiedlich gefärbten Hintergründen und wurden dazu befragt. Sahen sie eine lady in red, dann fanden sie die Frau attraktiver, fühlten sich zu dieser sexuell stärker hingezogen und gaben an, sie eher um ein Date bitten und mit ihr im Bett landen zu wollen als junge Männer, die dieselben Frauen mit anders eingefärbten Oberteilen vor andersfarbigen Hintergründen sahen.

Sascha Schwarz und Marie Singer fanden in einer aktuellen Studie heraus, dass dieser Farb-Effekt jedoch nur für junge Frauen gilt. Sie befragten Männer unterschiedlichen Alters zu einer jungen oder mittelalten Frau vor einem roten oder weißen Hintergrund. Allgemein fühlten sich die Männer der jungen Frau stärker hingezogen und zwar unabhängig davon ob sie selbst jung oder mittelalt waren. Interessanterweise verstärkte die Farbe Rot darüber hinaus die sexuelle Anziehung zu der jungen Frau, während die sexuelle Anziehung zu der mittelalten Frau von dieser Farbe unbeeinflusst war.

Doch warum lassen sich Männer durch diese Farbe so stark bezirzen? Die Autoren der oben vorgestellten Studien zeigen zwei mögliche Ursachen für diesen Farb-Effekt auf: Entweder geht dieser Effekt auf biologische Triebe zurück, die Rot mit einem erhöhten Östrogenspiegel verbinden, da Östrogen zu einer Erhöhung der Durchblutung und dadurch eher zu Errötung führen kann. Die Farbe Rot signalisiert also eine hohe Fruchtbarkeit und weckt damit das Interesse der Männer. Frauen nach der Menopause profitieren jedoch nicht von diesem Effekt, da sich die Frage der mehr oder weniger stark ausgeprägten Fruchtbarkeit nicht mehr stellt.

Eine alternative Erklärung ist, dass die Farbe Rot in unserer heutigen Gesellschaft hauptsächlich mit roter Unterwäsche oder Rotlichtvierteln assoziiert wird, weshalb wir gelernt haben diese Farbe mit sexueller Verfügbarkeit zu verbinden. Zumindest scheint dieser Farb-Effekt für Männer ungeahnt zu sein. Sie selbst führten ihre Anziehung nämlich auf das Gesicht oder die Kleidung der Frau zurück. Auch beeinflusste die Farbe Rot weder die Sympathie, die ein Mann hegte, noch seine Einschätzung der Freundlichkeit oder Intelligenz der abgebildeten Frau.

Für das wahre Leben lässt sich aus solchen Befunden ableiten, dass Rot eben doch nicht die Farbe der Liebe ist, sondern eher mit Sexualität (genauer: Sex mit bisher unbekannten jungen Frauen) assoziiert wird. Eine Frau ist deshalb mit roter Kleidung gut beraten, wenn sie entweder auf der Suche nach einer Affäre ist oder aufgrund ihrer erhöhten sexuellen Anziehungskraft Aufmerksamkeit wecken möchte um damit eventuell auch eine längerfristige Beziehung zu ermöglichen. Rote Kleidung wird ihre Chancen auf Erfolg im Mittel jedenfalls entweder erhöhen (wenn sie jung ist) oder unbeeinflusst lassen (wenn sie älter ist).

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Bei der (natürlich jugendfreien) Besprechung dieses Blog-Artikels am Familien-Frühstückstisch stellte sich heraus, dass die Farbe Rot durchaus auch negative Auswirkungen haben kann. Wie meine Tochter aus ihrer Geolino zu berichten wusste, können rote Rosen zu mehr Streit führen als andersfarbige Rosen. Dafür spricht das Ergebnis einer Studie von Florence Dupont, in der sie beobachtete, dass Paare, die über eine Woche hinweg rote Rosen im Wohnzimmer stehen hatten, deutlich gereizterer Stimmung waren als Paare, die rosa- oder apricot-farbene Rosen erhielten. Rote Rosen am kommenden Donnerstag sind also möglicherweise doch nicht die beste Wahl.

360.000 Zeichen

30 Jan

Blogs sind fast wie Bücher, nur näher dran an der Zeit. Und sie riechen nicht so gut. Und fühlen sich nicht so gut an. Ab dem Frühling 2014 wird deshalb ein Buch erscheinen, mit frischen Texten im Stil der Labor meets Liebe-Blog-Reihe auf Seiten, die gut riechen und sich gut anfühlen.

Heute, am Tag 1, macht sich der unterschriebene Vertrag auf den Weg nach Reinbek, zum Rowohlt Verlag. Und zwischen dem jetzt noch weißen Papier und dem Abgabetermin am 01. Oktober liegen 200 Seiten mit je 30 Zeilen mit je 60 Anschlägen. 360.000 Zeichen.

Foto von Helga Weber

Die Frage, die sich mir nun stellt, ist die Frage nach den Fragen, die sich Euch stellen:

  1. Worüber würdet Ihr gern in einem Buch lesen, das das Ziel verfolgt, wissenschaftliche Studien zum Miteinander vor, während und nach Beziehungen vorzustellen um daraus Schlussfolgerungen für das eigentliche Leben zu ziehen?
  2. Was wolltet Ihr zum Thema Liebe und Sex schon immer mal wissenschaftlich fundiert beantwortet haben?
  3. Und welchen küchenpsychologischen „Fakten“ zu Liebesdingen sollte Eurer Meinung nach mal auf den Zahn gefühlt werden?

Übrigens: Wer Neuigkeiten dieses Blogs verfolgen möchte, kann diesen neuerdings per Facebook liken und natürlich weiterhin per RSS-Feed benachrichtigt werden.

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Vielen Dank an dieser Stelle an Sylvia Meise, die in ihrem Artikel Die Blogger und die Wissenschaft in der Zeitschrift Psychologie Heute meinen Blog vorstellte und damit die Aufmerksamkeit von Julia Vorrath vom Rowohlt Verlag weckte.

Das flexible Ich

24 Jun

Heute mal ein Lesetipp zu einem Gastbeitrag, den ich verfasst habe:

Das Thema der aktuellen Gehirn&Geist-Ausgabe ist Persönlichkeit und befasst sich mit der Frage, was die Persönlichkeit prägt. Im Titelartikel gehe ich darauf ein, inwiefern sich die Persönlichkeit im Laufe des Lebens entwickelt und welche Ursachen dieser Entwicklung zugrunde liegen. Interessanterweise handelt es sich dabei nämlich nicht um einen passiven Prozess, sondern wir selbst gestalten unsere Persönlichkeit maßgeblich mit. Wie das funktioniert und allerlei anderes Wissenswertes (zum Beispiel ein Interview zum Einfluss von Partnerschaft und Familie auf die Persönlichkeit mit den guten Kollegen Jaap Denissen und Roos Hutteman) gibt es ab morgen im Heft zu lesen.

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Gehirn&Geist

Lange Zeit glaubten Forscher, die individuellen Eigenarten eines Menschen würden sich nach der Jugend kaum noch verändern. Doch wie neue Studien zeigen, unterliegt unsere Persönlichkeit einem lebenslangen Wandel. Vor allem Beruf, Familie und Partnerschaft prägen den Charakter.

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Den Online-Artikel gibt’s hier. Weitere Informationen zu den dort vorgestellten eigenen Studien gibt’s auch in diesem Blog zu lesen, nämlich hier und hier.

Labor meets Leben
Alles unter Kontrolle?

4 Mrz

Foto von Conor Ogle

Ist dein Leben ein Glücksspiel? Oder bestimmt Gott dein Schicksal? Oder sitzt du vielleicht selbst am Schalthebel der Macht über Deine Zukunft? Zu diesen Fragen wird heute mal eine eigene frische Studie vorgestellt.

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Während sich der eine selbstsicher als Meister seines Schicksals fühlt, führen viele andere Menschen die ups-and-downs in ihrem Leben auf ganz andere Ursachen zurück, zum Beispiel auf Glück oder Zufall oder mächtige andere Personen. Dann werden Daumen gedrückt oder das Pech verteufelt, böse Geister besänftigt oder auf den Holztisch geklopft. In der Persönlichkeitspsychologie spricht man bei diesen unterschiedlichen Ansichten von Unterschieden in der Kontrollüberzeugung: Menschen mit einer eher internalen Kontrollüberzeugung glauben im Allgemeinen selbst Kontrolle über Ihr Leben zu haben, während Personen mit einer eher externalen Kontrollüberzeugung sich wie eine Marionette unkontrollierbarer Mächte fühlen.

Foto von Stephan Ohlsen

Der Frage nach den Unterschieden in der Kontrollüberzeugung bin ich, zusammen mit Boris Egloff und Stefan Schmukle, in einer aktuellen Studie nachgegangen, in der wir die umfangreichen Daten des Sozio-oekonomischen Panels benutzten. Dabei fanden wir heraus, dass Männer überzeugter als Frauen sind, Kontrolle über ihr Leben zu haben. Noch viel stärker unterscheiden sich allerdings Personen mit unterschiedlichem Bildungshintergrund: Personen mit einem Haupt- oder Realschulabschluss haben eine deutlich externalere Kontrollüberzeugung als Personen mit einer abgeschlossenen Ausbildung oder einem Abitur.

Foto von Umberto Salvagnin

Die Ursachen dafür sind vielfältig: Zum einen haben Männer und Frauen sowie Personen mit unterschiedlichem Bildungshintergrund auch ganz objektiv unterschiedlich viel Kontrolle über ihr Leben, zum Beispiel durch einen unterschiedlichen Grad an Selbstbestimmung im Beruf. Teilweise ist die Situation aber auch komplexer: Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass sich Personen mit internaler Kontrollüberzeugung ambitioniertere Ziele setzen (weshalb sie auch höhere Bildungsabschlüsse anstreben) und auch erfolgreicher bei der Zielerreichung sind (also auch eher höhere Bildungsabschlüsse erreichen). Wie in einem positiven Teufelskreis wird die internale Kontrollüberzeugung dann ein weiteres Mal durch die Bildung erhöht. Hat man einen höheren Bildungsabschluss erreicht und damit häufig auch weniger finanzielle Probleme und mehr Gestaltungsspielraum im Beruf, hat man wiederum tatsächlich mehr Kontrolle über sein Leben.

Foto von Chris

In unserer Studie interessierten wir uns aber nicht nur für Unterschiede zwischen Personen, sondern auch für den Entwicklungsprozess dabei. Die Frage ist also: Ändern wir unsere Kontrollüberzeugung im Laufe des Lebens und wenn ja, wie? Aber erst einmal ein Schritt zurück: Die tatsächliche Kontrolle über das Leben sollte im Allgemeinen im Kindes- und Jugendalter ansteigen. Kann man erst einmal selbstständig laufen, essen, sprechen und später dann sogar einkaufen, kochen und Geld verdienen, dann übt der Mensch schon objektiv deutlich mehr Kontrolle über sein Leben aus als der zuckersüße aber dennoch hilfsbedürftige Säugling. Und genau äquivalent verhält es sich tatsächlich auch mit der Kontrollüberzeugung: Bis zu einem Alter von ungefähr 40 Jahren wird die Kontrollüberzeugung im Allgemeinen internaler, die wahrgenommene Kontrolle über das Leben steigt also an.

Foto von Mohammed Alnaser

Obwohl die Kontrollüberzeugung dann zwar im mittleren Erwachsenenalter absinkt, bleibt sie im höheren Erwachsenenalter erstaunlich stabil. Erstaunlich ist dies, weil die tatsächliche Kontrollierbarkeit des Lebens im höheren Alter wieder abnimmt. Der Körper wird schwächer, der Geist vielleicht zerstreuter und die Menschen erleben immer häufiger nicht kontrollierbare Ereignisse, wie zum Beispiel schwere Krankheit. Obwohl Menschen durch solche gesundheitlichen Veränderungen meist an ihrer Kontrolle zweifeln, haben wir nun herausgefunden, dass dies für ältere Menschen nicht mehr gilt. Das heißt, ältere Menschen glauben weiterhin Kontrolle über ihr Leben zu haben, auch wenn dies nicht mehr im gleichen Umfang zutrifft wie früher.

Foto von Dave Knapik

Das ist eine erfreuliche Entdeckung, denn die internale Kontrollüberzeugung geht mit zahlreichen Vorzügen einher, zum Beispiel mit besserer Genesung. Nur Personen, die glauben an ihrer Krankheit etwas ändern zu können, tun auch entsprechend etwas für ihren Körper, sodass die Gesundheit davon profitieren kann. Es zeigte sich auch in früheren Studien, dass Personen mit einer internalen Kontrollüberzeugung zufriedener sind und sogar länger leben. Bis auf wenige Ausnahmen (siehe eine frühere Studie von uns) ist es also durchaus wünschenswert, über eine möglichst internale Kontrollüberzeugung zu verfügen.

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Bei Interesse an der hier vorgestellten Studie kann diese vorerst hier, bald dann auch in ihrer finalen Version hier, heruntergeladen werden.

Hier jetzt aber erst einmal der Aufruf für heute:

generic viagra from canadaFoto von Carolyn Sewell