Labor meets Leben
Alles unter Kontrolle?

4 Mrz

Foto von Conor Ogle

Ist dein Leben ein Glücksspiel? Oder bestimmt Gott dein Schicksal? Oder sitzt du vielleicht selbst am Schalthebel der Macht über Deine Zukunft? Zu diesen Fragen wird heute mal eine eigene frische Studie vorgestellt.

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Während sich der eine selbstsicher als Meister seines Schicksals fühlt, führen viele andere Menschen die ups-and-downs in ihrem Leben auf ganz andere Ursachen zurück, zum Beispiel auf Glück oder Zufall oder mächtige andere Personen. Dann werden Daumen gedrückt oder das Pech verteufelt, böse Geister besänftigt oder auf den Holztisch geklopft. In der Persönlichkeitspsychologie spricht man bei diesen unterschiedlichen Ansichten von Unterschieden in der Kontrollüberzeugung: Menschen mit einer eher internalen Kontrollüberzeugung glauben im Allgemeinen selbst Kontrolle über Ihr Leben zu haben, während Personen mit einer eher externalen Kontrollüberzeugung sich wie eine Marionette unkontrollierbarer Mächte fühlen.

Foto von Stephan Ohlsen

Der Frage nach den Unterschieden in der Kontrollüberzeugung bin ich, zusammen mit Boris Egloff und Stefan Schmukle, in einer aktuellen Studie nachgegangen, in der wir die umfangreichen Daten des Sozio-oekonomischen Panels benutzten. Dabei fanden wir heraus, dass Männer überzeugter als Frauen sind, Kontrolle über ihr Leben zu haben. Noch viel stärker unterscheiden sich allerdings Personen mit unterschiedlichem Bildungshintergrund: Personen mit einem Haupt- oder Realschulabschluss haben eine deutlich externalere Kontrollüberzeugung als Personen mit einer abgeschlossenen Ausbildung oder einem Abitur.

Foto von Umberto Salvagnin

Die Ursachen dafür sind vielfältig: Zum einen haben Männer und Frauen sowie Personen mit unterschiedlichem Bildungshintergrund auch ganz objektiv unterschiedlich viel Kontrolle über ihr Leben, zum Beispiel durch einen unterschiedlichen Grad an Selbstbestimmung im Beruf. Teilweise ist die Situation aber auch komplexer: Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass sich Personen mit internaler Kontrollüberzeugung ambitioniertere Ziele setzen (weshalb sie auch höhere Bildungsabschlüsse anstreben) und auch erfolgreicher bei der Zielerreichung sind (also auch eher höhere Bildungsabschlüsse erreichen). Wie in einem positiven Teufelskreis wird die internale Kontrollüberzeugung dann ein weiteres Mal durch die Bildung erhöht. Hat man einen höheren Bildungsabschluss erreicht und damit häufig auch weniger finanzielle Probleme und mehr Gestaltungsspielraum im Beruf, hat man wiederum tatsächlich mehr Kontrolle über sein Leben.

Foto von Chris

In unserer Studie interessierten wir uns aber nicht nur für Unterschiede zwischen Personen, sondern auch für den Entwicklungsprozess dabei. Die Frage ist also: Ändern wir unsere Kontrollüberzeugung im Laufe des Lebens und wenn ja, wie? Aber erst einmal ein Schritt zurück: Die tatsächliche Kontrolle über das Leben sollte im Allgemeinen im Kindes- und Jugendalter ansteigen. Kann man erst einmal selbstständig laufen, essen, sprechen und später dann sogar einkaufen, kochen und Geld verdienen, dann übt der Mensch schon objektiv deutlich mehr Kontrolle über sein Leben aus als der zuckersüße aber dennoch hilfsbedürftige Säugling. Und genau äquivalent verhält es sich tatsächlich auch mit der Kontrollüberzeugung: Bis zu einem Alter von ungefähr 40 Jahren wird die Kontrollüberzeugung im Allgemeinen internaler, die wahrgenommene Kontrolle über das Leben steigt also an.

Foto von Mohammed Alnaser

Obwohl die Kontrollüberzeugung dann zwar im mittleren Erwachsenenalter absinkt, bleibt sie im höheren Erwachsenenalter erstaunlich stabil. Erstaunlich ist dies, weil die tatsächliche Kontrollierbarkeit des Lebens im höheren Alter wieder abnimmt. Der Körper wird schwächer, der Geist vielleicht zerstreuter und die Menschen erleben immer häufiger nicht kontrollierbare Ereignisse, wie zum Beispiel schwere Krankheit. Obwohl Menschen durch solche gesundheitlichen Veränderungen meist an ihrer Kontrolle zweifeln, haben wir nun herausgefunden, dass dies für ältere Menschen nicht mehr gilt. Das heißt, ältere Menschen glauben weiterhin Kontrolle über ihr Leben zu haben, auch wenn dies nicht mehr im gleichen Umfang zutrifft wie früher.

Foto von Dave Knapik

Das ist eine erfreuliche Entdeckung, denn die internale Kontrollüberzeugung geht mit zahlreichen Vorzügen einher, zum Beispiel mit besserer Genesung. Nur Personen, die glauben an ihrer Krankheit etwas ändern zu können, tun auch entsprechend etwas für ihren Körper, sodass die Gesundheit davon profitieren kann. Es zeigte sich auch in früheren Studien, dass Personen mit einer internalen Kontrollüberzeugung zufriedener sind und sogar länger leben. Bis auf wenige Ausnahmen (siehe eine frühere Studie von uns) ist es also durchaus wünschenswert, über eine möglichst internale Kontrollüberzeugung zu verfügen.

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Bei Interesse an der hier vorgestellten Studie kann diese vorerst hier, bald dann auch in ihrer finalen Version hier, heruntergeladen werden.

Hier jetzt aber erst einmal der Aufruf für heute:

Foto von Carolyn Sewell

Labor meets Liebe
Sex macht gesund

4 Feb

Foto von .craig

Wir brauchen mehr Sex. Denn Sex kann nicht nur glücklich, sondern auch gesund machen. So lautet zumindest das Fazit einer neuen Studie, die endlich Schluss machen möchte mit dem sorgenvollen „was da alles passieren kann…“.

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Denken Sie doch bitte für einen Moment an Sex! — Den meisten Lesenden kommen nach einer solchen Aufforderung nun hoffentlich zahlreiche euphorische Gedanken. Ein forschender Psychologe denkt nach einer solchen Aufforderungen dagegen eher an Krankheiten, ungeplante Schwangerschaften und ungewollte Übergriffe. Von dieser einseitigen Betrachtung hatten Lisa Diamond und David Huebner, beide Psychologie-Professoren an der Universität von Utah, genug und schrieben einen Überblicksartikel (2012) über die zahlreichen positiven Seiten von Sex.

Foto von Jorge Miente

1.    Mehr Sex führt zu mehr Gesundheit.
Regelmäßiger Sex geht mit einer besseren Gesundheit einher. Zum Beispiel sinkt bei Männern das Risiko für Prostatakrebs mit der Ejakulationshäufigkeit. Wer häufiger kommt, tut damit also etwas für seine Gesundheit (sofern er sich dabei nicht mit einer Geschlechtskrankheit ansteckt). Weitere Studien zeigten außerdem einen positiven Einfluss von Sex auf das Herz und den Kreislauf.

2.    Mehr Sex führt zu einem längeren Leben.
Männer, die noch mit 70 Jahren sexuell aktiv sind, haben eine geringere Wahrscheinlichkeit in den folgenden 5 Jahren zu sterben als Männer, die sexuell weniger aktiv sind. Bei Frauen ist das leider nicht so einfach: Getreu dem Stereotyp kommt es bei den Frauen nicht auf die Quantität, sondern die Qualität des Sex an. Verspüren Frauen mehr Genuss beim Sex, dann geht dies auch bei ihnen im Durchschnitt mit einem längeren Leben einher. Doch nicht nur im hohen Alter wirkt Sex lebensverlängernd. Auch in einer Studie an Männern in ihren 40ern und 50ern sank das Risiko in den kommenden 10 Jahren zu sterben mit der Häufigkeit der Orgasmen.

3.    Mehr Sex führt zu einer glücklicheren Beziehung.
Glückliche Partnerschaften führen selbst bereits zu einem längeren, gesünderen und glücklicheren Leben. Dies liegt vor allem daran, dass sich die soziale und emotionale Unterstützung in Beziehungen günstig auf das Herz, den Kreislauf, das neuroendokrine und das Immunsystem auswirkt. Damit ist Sex hierbei eine doppelt kluge Entscheidung: Denn er führt nicht nur selbst zu mehr Gesundheit, sondern stärkt auch noch die Beziehung, die auch wiederum einen gesundheitsförderlichen Effekt hat.

Foto von Keirsten Balukas

Aufgrund dieser Information kann die logische Schlussfolgerung eigentlich nur sein: Habt mehr Sex (sicher ist besser)! Trotzdem fordern weiterhin prominente Institutionen wie Kirche und Republikaner keinen Sex vor der Ehe (siehe beispielsweise die True Love Waits Campaign, hierbei ist auch ein interkultureller Vergleich amüsant: deutsche Wikipedia versus englische Wikipedia). Nur: Ist diese Beschränkung auf Sex in der Ehe (und damit zwangsläufig auf weniger Sex als ohne diese Beschränkung möglich wäre) nicht ein Gesundheitsrisiko? Oder ist Sex vor der Ehe tatsächlich riskant?

In einer Studie von Huibregtse und Kollegen (2011) wurde genau dieser Frage nachgegangen und tatsächlich gehen frühe sexuelle Erfahrungen im Allgemeinen mit riskantem Sexualverhalten einher, zum Beispiel mit Promiskuität, mit Sex unter Drogeneinfluss und mit Geschlechtskrankheiten. Die Frage bleibt jedoch, was die Ursache für diesen Zusammenhang ist. Um dies zu untersuchen, verglichen Huibregtse und Kollegen Zwillinge, die sich darin unterschieden wann sie das erste Mal sexuelle Erfahrungen machten. Dabei fanden sie heraus, dass Zwillinge ein ähnliches Risiko für riskantes Sexualverhalten hatten, selbst wenn sie zu sehr unterschiedlichen Zeiten das erste Mal Sex hatten.

Das heißt, dass nicht die frühe sexuelle Erfahrung per se sich nachteilig auswirkt, sondern dass es andere Faktoren gibt, die sowohl den Zeitpunkt des ersten Sex beeinflussen, als auch die Wahrscheinlichkeit für riskantes Sexualverhalten. Oder anders: Früher Sex selbst schadet nicht. Er ist vielmehr eine Folge von Faktoren, die auch riskantes Sexualverhalten bedingen können. Somit werden auch Gesundheitsprogramme, die eine „Heb dich auf“-Parole verkünden, damit kein gesünderes Sexualverhalten erreichen. Vielmehr dürften sie damit der Gesundheit schaden (siehe oben).

Wenn schon (partielle) Enthaltsamkeit, dann doch lieber politisch motiviert:

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Das Fazit für den Alltag ist heute einfach: Seid gesundheitsbewusst und habt mehr Sex! Am besten geschützt und am besten als Investition in eine stabile Beziehung.

Bild von cirox

Schön war’s und es kommt noch besser

1 Jan

Ein Hoch auf das vergangene Jahr. Und her mit dem Neuen!

Vorfreuden für das neue Jahr: unablässiges Kinder beim Wachsen bestaunen, feucht-fröhliche Abende mit so viel Potenzial (Dank an die Mädels!), Lesen bis die Phantasie kapituliert, Hören bis die Ohren pfeifen und in Arbeit eintauchen bis die Luft alle ist.

Labor meets Liebe
Ein Lächeln als Investition in die Zukunft: Für mehr Liebe, Leben, Leidenschaft

15 Dez

Foto von Dimitris Papazimouris

Bitte lächeln! …und fertig ist das Jahrbuchfoto. Obwohl dieser Moment künstlicher Freude so flüchtig scheint, verrät er große und kleine Geheimnisse über die abgelichtete Person, ihr Wohlbefinden, Liebesleben und die ferne Zukunft.

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Facebook steckte noch in den Kinderschuhen, da war es schon eine Quelle zur Glücksmessung: Seder und Oishi (im Druck) maßen bereits im Jahr 2005 wie stark Personen auf ihren Profilfotos lachten. Zwei Muskelbereiche sind für diesen Gefühlsaudruck besonders relevant: der Musculus zygomaticus major und der Musculus orbicularis oculi. Ersterer lässt die Mundwinkel steigen, während der zweite die Augen schmunzeln lässt. In der Studie von Seder und Oishi zeigte sich, dass die Studierenden besonders zufrieden mit ihrem Leben waren, deren Lachmuskeln auf den Fotos aktiver waren. Noch dreieinhalb Jahre später waren die lachenden Studierenden glücklicher als ihre weniger lach-affinen Kommilitonen.

Wie kommt es dazu? Lachenden Menschen werden gern positive Eigenschaften unterstellt, was sie als FreundIn umso geeigneter erscheinen lässt. Tatsächlich ging auch in der Studie von Seder und Oishi das Lachen mit erfüllenderen Freundschaften einher und diese soziale Verbundenheit erhöhte wiederum die spätere Lebenszufriedenheit.

Foto von Meredith Farmer

Noch weitreichendere Aussagen konnten Harker und Keltner (2001) mit ihrer Studie machen. Sie betrachteten die Lachmuskeln auf Jahrbuchfotos von 20- bis 21-jährigen Studentinnen des Mills College und suchten diese Frauen über Jahrzehnte hinweg immer wieder auf. Je mehr die Frauen in jungen Jahren lachten, desto wahrscheinlicher waren sie 6 Jahre später verheiratet und desto unwahrscheinlicher war es, dass sie noch in ihren 40ern Single waren. Das Lachen einer Frau steigert ihre Chancen auf dem Dating-Markt einfach erheblich.

Die Ehe selbst ist aber ja bekanntlich noch kein Glücksgarant. Ganz nach der Binsenweisheit Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn, gab es natürlich auch Frauen, die trotz eines ernsten Jahrbuchfotos in einer Beziehung lebten. Doch auch hier profitierten die (zumindest ehemals) schmunzelnden Frauen: Sie lebten in glücklicheren Partnerschaften mit tendenziell weniger Beziehungsproblemen. Noch im Alter vom 52 Jahren waren die damals lachenden Studentinnen glücklicher in ihrer Partnerschaft! Über den insgesamt betrachteten Zeitraum von über 30 Jahren zeigte der kleine Augenblick des Lachens auf einem Jahrbuchfoto einen beträchtlichen Zusammenhang zu der Zufriedenheit mit dem Leben im Allgemeinen.

Foto von My Mundane Life

Doch nicht nur die Jahrbuchfotos junger Studentinnen haben diese Aussagekraft, auch andere Fotos aus jeglichen Lebensbereichen können den Beziehungserfolg vorhersagen. In einer Studie von Hertenstein und Kollegen (2009) wurden sowohl Jahrbuchfotos als auch andere Fotos aus unterschiedlichsten Situationen berücksichtigt. Die Personen wurden gebeten Fotos herauszusuchen, auf denen sie zwischen 5 und 22 Jahre alt waren. Auch bei dieser Bandbreite unterschiedlicher Fotos zeigte sich, dass Personen mit eifrigeren Lachmuskeln in erfolgreicheren Partnerschaften lebten: Sie hatten ein bedeutend geringeres Risiko, sich jemals in ihrem Leben scheiden zu lassen.

Foto von Stefano Corso

Das Leben Lachender ist aber nicht nur unbelasteter und schöner, es dauert darüber hinaus auch länger an. Das fanden Abel und Kruger (2010) heraus, indem sie die Lachmuskeln auf Fotos von Baseball-Spielern untersuchten. Die professionellen Sportler spielten alle in der Major League Baseball und debütierten alle vor 1950. Baseballer mit ernstem Gesichtsausdruck wurden im Schnitt 73 Jahre alt, ein kleines Lächeln brachte im Schnitt zwei weitere Lebensjahre und die enthusiastischsten Lächler wurden im Schnitt sogar 80 Jahre alt! Und der Zusammenhang zwischen dem Foto und der Lebensdauer hielt selbst bei Berücksichtigung zahlreicher anderer Einflussfaktoren wie dem Gewicht, der Bildung und dem Familienstand.

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Lachen sollten wir, lieber mehr als weniger. Dann stiege nicht nur die Wahrscheinlichkeit für ein zufriedenes Leben, wir würden auch immer glücklicher. Wir würden noch mehr Freunde finden und mit diesen angenehme Freundschaften pflegen. Und die Liebe finden und halten und uns dabei konsequent wohl fühlen. So klingt ein langes Leben dann noch umso attraktiver. Ein Rundum-Sorglos-Paket.

Nur fragt sich dass Misstrauen klammheimlich: Wenn die lachenden Menschen so anziehend wirken, laut Hertenstein und Kollegen jede vielversprechende Gelegenheit ergreifen und offener für soziale Beziehungen sind, sind sie dann nicht auch gefährdet für potentiell zu enge außereheliche Bindungen? Oder bleibt die primäre Beziehung selbst im Fall der Fälle stabil, weil ein geübtes Lächeln charmant alle etwaigen Konflikte verschwinden lässt?

Wie dem auch sei, dies bleibt eine Aufforderung zum Lachen, vielleicht klappt’s ja zumindest mit einem Schmunzler bei dem Soundtrack zu einem der liebsten Lieblingskultfilme.

Labor meets Leben
Wie Frau Merkel mit Schauma ein Wahldebakel verhindern kann

24 Okt

Foto von Andy Morris

Schauen Sie auf diese Füße und ich sage Ihnen wen sie wählen. Wie Seife, Gene und Absatzschuhe auf Stimmenfang gehen.

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Der Mensch ist ein erfrischend irrationales Wesen und das beweist er auch beim Wählen. Das zeigten kürzlich auch wieder Helzer und Pizarro (2011) und proklamierten sogleich „Dirty Liberals!“. Der liberale Amerikaner, das heißt der Mensch links von der (rechten) Mitte, scheint ein schmutziger Artgenosse zu sein. Aber wie kommt man darauf? Helzer und Pizarro baten Passanten um ihre Meinung zur Politik, einmal vor einer Wand mit Desinfektions-Spender und einmal vor einer nackten Wand. Die Personen vor dem Saubermann-Accessoire gaben eine deutlich konservativere, also weniger liberale, Einstellung an. Ähnliche Reinlichkeitsgebote führen übrigens auch zu prüderen Einstellungen, denn Sex auf Omas Bett (während sie nicht da ist) wird als unmoralischer bewertet, wenn man sich vorher die Hände gesäubert hat.

Foto von HA! Designs

Doch damit nicht genug. Der Mensch lässt sich nicht nur von blitzender Reinlichkeit, sondern auch von der Körpergröße blenden. Murray und Schmitz (2011) baten Personen, einen typischen Bürger und ein ideales Staatsoberhaupt zu malen. Und der Anführer war bei 2/3 der Malenden tatsächlich größer als der Durchschnittsmensch, insgesamt immerhin 12%. Außerdem fanden sie heraus, dass große Männer sich auch selbst eher zutrauten die Führung zu übernehmen. Ob dieser Effekt kulturübergreifend gültig ist, ist allerdings noch unklar, zumindest die Franzosen scheinen mit Napoleon und Sarkozy diesbezüglich etwas nachsichtiger zu sein.

Foto von Beverly & Pack

Vermutlich noch überraschender ist der Flaggen-Effekt. Carter und Kollegen (2011) konnten den großen Einfluss einer kleinen Flagge belegen: Personen wurden gebeten online über ihre politischen Ansichten Auskunft zu geben. Personen, die neben den Fragen auf dem Bildschirm eine kleine US-Flagge sahen, hatten dadurch eine konservativere Einstellung und wählten eher die Republikaner. Und das galt selbst für die Anhänger der liberalen Partei. Noch schlimmer: Dieser Effekt hielt über 8 Monate an!

Neben den zahlreichen oberflächlichen Merkmalen, gibt es aber auch Merkmale, die von innen heraus die politische Einstellung bestimmen. Das fand der gute Christian Kandler mit Kollegen kürzlich heraus (2011): Denn die politische Einstellung wird über die Gene von den Eltern an die Kinder weitergereicht. Unter diesem Gesichtspunkt kommt einer wohlüberlegten Partnerwahl noch einmal eine besondere Bedeutung zu. Leider ist die politische Einstellung nicht unbedingt sexy. Klofstad und Kollegen (in press) fanden heraus, dass es beim Online-Dating verbreiteter ist sich als übergewichtig anzupreisen, als jegliche politische Einstellung anzugeben. Offenbart dann doch mal jemand seine politische Gesinnung, dann handelt es sich mit höherer Wahrscheinlichkeit um Männer und ältere, gebildete und reichere Personen.

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Man fragt sich bei solchen Studien zum Teil warum der Mensch so absurd beeinflussbar ist. Warum strahlt der große Mensch Führungsstärke aus und warum führen Flagge und Reinlichkeit zu Konservatismus? Unterstellt der Ur-Instinkt beim Anblick großer Menschen tatsächlich weiterhin Beschützerqualitäten? Weckt eine Flagge das Einheitsgefühl und lässt den Amerikaner dann so werden, wie er oder sie sich den typischen Amerikaner vorstellt (nämlich konservativ)? Und hat der konservative Moralapostel nicht nur bildlich eine weiße Weste?

Aber anstatt aufgrund dieser Manipulierbarkeit zu resignieren und ideologische Ziele anzuzweifeln, hilft es vielleicht die eigene Rationalität wieder auszupacken. Vielleicht kann dabei ja der Wahl-o-mat weiterhelfen. Und Frau Merkel? Vielleicht sollte die CDU mal Duschbad und Shampoo verteilen, jeweils 8 Monate vor der Wahl, denn die Wirksamkeit ist wissenschaftlich nahezu erwiesen…

Foto von Chris Devers, Motiv von Banksy

Labor meets Liebe
Suche kochenden Betthasen

10 Okt

Foto von Rosa Pomar

Attraktiv soll er sein, erfolgreich und natürlich gut im Bett. Den Anforderungen an den idealen Partner sind kaum Grenzen gesetzt. Aber was verlangen Max und Erika Mustermann eigentlich von ihrem Traumpartner? Und wie lassen sich Wunsch und Wirklichkeit verknüpfen?

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Wer wen warum sucht, damit beschäftigte sich erstmals umfassend Buss (1989) in einer großen interkulturellen Studie. Am wichtigsten war den Befragten damals ein freundlicher/verständnisvoller und intelligenter Partner. Im Vergleich zu den Männern schätzt die klassische Frau von Welt an einem Traumprinzen besonders seine finanzielle Ausstattung. Und dies gilt für Frauen aus Deutschland und den USA genauso wie für Frauen aus Nigeria, Taiwan, Polen oder Brasilien. Im Vergleich zu Frauen achten Männer dagegen besonders auf das Aussehen der Traumprinzessin. Und auf ihr Alter, denn jünger sollte sie sein. Wenige Monate nur in Finnland, aber immerhin 7 Jahre jünger in Sambia.

Frauen suchen passenderweise nach einem älteren Mann und präferieren dabei im Schnitt sogar einen größeren Altersunterschied als Männer. Während die deutschen Männer in den 80er Jahren noch eine zweieinhalb Jahre jüngere Ehefrau suchten, suchten deutsche Frauen einen fast 4 Jahre älteren Ehemann (tatsächlich lagen im Durchschnitt etwas mehr als 3 Jahre zwischen Herrn und Frau Mustermann, man traf sich also kompromissbereit in der Mitte). Und warum diese Unterschiede? Kurz: Die mittellose Frau sucht einen beschützenden Ernährer, der Mann eine fruchtbare Frau. Man fragt sich doch, wann die finanzielle Unabhängigkeit der Frauen und die Fruchtbarkeitstricks der Medizin dieses Beuteschema obsolet werden lässt.

Arme, schöne Frau sucht reichen Mann, der schöne Frau sucht

Wie groß der Unterschied zwischen Wunsch und Wirklichkeit dann aber sein kann, zeigten Eastwick und Finkel (2008): Auch sie befragten Personen nach ihrem Idealpartner und während Männer auch hier wieder von jungen, gutaussehenden Damen träumten, dachten Frauen wieder hauptsächlich ans Geld. Ließ man diese Personen danach jedoch im Speed-Dating einander kennenlernen war auf einmal alles ganz anders. Denn nun hatten sowohl Männer als auch Frauen vergleichbar starkes Interesse an attraktiven und gutsituierten Personen (wobei gutes Aussehen deutlich wichtiger ist als viel Geld). Gleich und gleich gesellt sich gern galt in diesem Kontext also nicht: Je mehr Geld oder Attraktivität desto begehrter.

Man stelle sich vor: Könnte man wählen zwischen einem attraktiven, kulturell bewanderten Mann mit leidlicher Intelligenz und einem vergleichbaren Prachtexemplar mit hoher Intelligenz, so würde man wohl in wenn-schon-denn-schon-Manier die intelligente Version wählen. Um diese Maßlosigkeit zu begrenzen, müssen im Traumprinzenland von Li und Kollegen (2002) Prioritäten gesetzt werden. Unter diesen Bedingungen stellen Frauen zuerst sicher, dass ihr Idealpartner einen mindestens durchschnittlichen sozialen Status hat, während Männer auf eine mindestens durchschnittliche Attraktivität achten. Ganz besonders wichtig war hier auch wieder die Intelligenz, dicht gefolgt von Freundlichkeit. Die Freundlichkeit stellt, laut Autoren, sicher, dass die wünschenswerten Ressourcen (Geld beziehungsweise Körper) dem Partner auch zur Verfügung gestellt werden. Denn was bringt das volle Portemonnaie oder der schlank-runde Körper, wenn beides ungenutzt einstaubt…

Reichtum und Attraktivität nützen nur, wenn man sie auch teilt…

Abseits der Partner-fürs-Leben-Suche sind sich Männer und Frauen bei der Suche nach kurzfristigem Liebesglück laut einer Studie von Li und Kenrick (2006) jedoch recht ähnlich. Hier zählt für alle Beteiligten vor allem das Aussehen. Männer sind diesbezüglich jedoch kompromissbereiter und Frauen etwas wählerischer. Als Hauptgrund für Gelegenheitssex geben beide Geschlechter an: „I was physically attracted to the person, and I thought it would feel good“. Der zweittypischste Grund unter Frauen ist, dass sie sich eigentlich eine langfristige Beziehung wünschen und mit dem Gelegenheitssex den Appetit anregen wollen. Weniger romantisch ist das bei den Männern: der zweittypischste Grund für ein Intermezzo ist lediglich das Austesten des eigenen Wertes auf dem Partnermarkt.

Foto von Dan Foy

Doch was tun, wenn man per Standardeinstellung nicht zu den schönsten, reichsten, klügsten und nettesten Menschen gehört? Verstecken und auf bessere Zeiten warten? Für Frauen kann es helfen den passenden Zeitpunkt abzupassen: In den Tagen höchster Fruchtbarkeit werden Frauen nicht nur schöner, sondern laut einer Studie von Markey und Markey (2011) auch warmherziger. Hoffnungsvoll lässt auch das Ergebnis von Fletcher und Kollegen (2000) stimmen: Diese fanden nämlich heraus, dass sich der Idealpartner mit der Zeit an den tatsächlichen Partner angleicht. Hat man erst einmal eine Passung zu dem hypothetischen Idealpartner des Liebsten erreicht, bringt diese dann auch verdientermaßen Beziehungszufriedenheit und –stabilität.

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Vom Labor hin zum echten Leben: Bei Überlegungen zum idealen Partner neigt der Mensch zur Maßlosigkeit. Etwas weniger anspruchsvoll geht es bei reinen Kurzzeit-Bettgeschichten zu, der Mann ist allgemein sehr aufgeschlossen und sei es nur um seinen Marktwert zu testen und die Frau lässt sich auch ohne Million auf dem Konto von einem großen, muskulösen Mann überzeugen. Aber: All die bezaubernden Eigenschaften (→ Geld und Attraktivität) entfalten natürlich nur ihre Wirkung, wenn man auch bereit ist diese mit dem Partner zu teilen…

Wer keine Lust mehr hat auf seinen Traumpartner zu warten, der kann sich diesen (in der Zwischenzeit) auch backen (→Traumprinz und →Traumprinzessin), aufpusten (→Traumprinz und →Traumprinzessin), kneten (→Traumprinz und →Traumprinzessin) oder falten (→Traumprinz).

Und abschließend:

Zeichnung von Robin Ator

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Vielen Dank an dieser Stelle an Sascha, der mich auf die Li-Studien aufmerksam machte!

Labor meets Leben
Immer noch die Alte?

26 Aug

Foto von Stephen Poff

Ich bleibe ich, auch wenn ich mich verändere! Wie Heirat, Scheidung und andere bedeutende Lebensereignisse uns zu der Person machen die wir sind.

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Die Blog-Geburt damals im Zug: Der freundliche junge Mann sucht ein Gespräch. Man landet auch beim Beruflichen. – Promovieren also. Interessant. Zu welchem Thema? – Und, verändert sich unsere Persönlichkeit? – In einem Satz werden die forschungs-schwangeren letzten Monate euphorisch zusammengefasst: Oh ja, die Menschen verändern sich, aber nur ein bisschen, denn alles in allem bleibt man schon ungefähr so wie man ist. – Aha. Und was untersuchst Du dann?

Promotionen lassen sich eben doch nicht so einfach in einem Satz zusammenfassen. Den Forschenden treibt eben das Detail. Um trotzdem das Große und Ganze nicht aus dem Blick zu verlieren, wird heute mal das eigene aktuelle Forschungsprodukt vorgestellt, das in dieser Woche veröffentlicht wurde. Die Frage ist: Inwiefern bleiben wir eigentlich wer wir sind und warum verändern wir uns?

Zuerst einmal: Unsere Persönlichkeit ist eine relativ verlässliche Angelegenheit. Gehören wir zu der schüchternen Sorte, dann wird das mit 60 vermutlich noch so ähnlich sein wie schon mit 20 Jahren. Auch wird eine überaus gewissenhafte Person nicht von heute auf morgen zum Schludrian. Trotzdem hat das Leben ein bisschen Abwechslung parat und deshalb kommt es natürlich auch zu einigen Veränderungen in der Persönlichkeit.

Foto von Kira Okamoto

Zum Beispiel werden die meisten Menschen in ihrem Leben immer verträglicher. Die erst noch jungen Rebellen werden im hohen Alter dann eben doch meist umgänglicher. Dafür büßen sie an Offenheit ein – Phantasie, frische Ideen und ein Faible für Kunst und Kultur sind dementsprechend eher von jüngeren Menschen zu erwarten. Der oben schon thematisierte allgemeine Schludrian wird mit dem Alter pflichtbewusster und diese Veränderung, hauptsächlich zwischen dem 20. und 40. Geburtstag, ist für psychologische Verhältnisse auch vergleichsweise umfangreich.

Nun ist die Persönlichkeit ja eigentlich das Herzstück einer jeden Person, denn was bliebe uns noch Relevantes ohne unsere Persönlichkeit? Veränderungen in der Persönlichkeit sind dementsprechend auch eine große Sache (man frage sich hier „Bin ich dann überhaupt noch ich?“) und kommen nicht von ungefähr. Vielmehr formt uns das Leben, also große Veränderungen und wichtige Erlebnisse.

Foto von Tim Forbes

Heiratet eine Person, dann ändert das zum Beispiel die Erwartungen anderer Personen an die nun Verheiratete. Die meisten Menschen werden dann weniger gesellig und auch weniger offen. Zumindest die Offenheit bekommt dann wieder Antrieb, wenn die Beziehung dann doch irgendwann in die Brüche gehen sollte. Ähnlich ist es mit der Gewissenhaftigkeit: Wenn wir den ersten Job annehmen, dann steigt unsere Gewissenhaftigkeit meist stark an, was es uns erleichtert die beruflichen Anforderungen zu meistern. Mit dem Übergang in die Rente nimmt die Gewissenhaftigkeit dann aber wieder vergleichbar stark ab, eine besonders ordentliche Lebensführung ist dann eben einfach nicht mehr notwendig.

Und dank der Anmerkung eines humorvollen anonymen Reviewers gibt es nun auch den „dirty underpants effect“. Hinter dem schmutzigen Ausdruck verbirgt sich unser Ergebnis, dass Männer beim Tod ihrer Frau deutlich gewissenhafter werden, während dieser Effekt bei Frauen nicht auftritt. Das untenstehende Foto verdeutlicht diesen Effekt sehr anschaulich: Während Männern bei klassischer Rollenverteilung im hohen Alter viele Haushalts-Aufgaben erspart bleiben, ändert sich dies natürlich bei Verlust der pflichtbewussten Partnerin. Doch der Mann, laut dem guten Martenstein oft (zu Recht) als Schlamper beschimpft, wächst an seinen Aufgaben und kann auch im fortgeschrittenen Alter noch seine ordentliche Seite kennenlernen.

Foto von Francois Rodrigue

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Es gibt sie also, die Veränderungen unserer eigentlich so tief verwurzelten Persönlichkeit, denn das Leben ist abwechslungsreich genug um uns immer neue Anpassungen abzuverlangen. Weitere und detailliertere Informationen, beispielsweise auch zu dem Einfluss anderer Lebensereignisse, gibt es in unserer Studie (Specht, Egloff und Schmukle, im Druck im Journal of Personality and Social Psychology) oder auf persönliche Anfrage. Für Nicht-Wissenschaftler gibt’s weitere Informationen zum Beispiel auch in den Pressemitteilungen der Uni Münster und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung.

Labor meets Liebe
Intimität schlägt Leidenschaft?!

14 Aug

Foto von Courtney Carmody

Da brodelt sie wieder, die Leidenschaft, denn: neue Liebe, neues Glück. Und während sich die anfängliche Unsicherheit legt und man dem vertrauten wir entgegen gleitet, macht sich klammheimlich die Leidenschaft davon. Oder lässt sich manchmal doch beides verbinden: Intimität und Leidenschaft?

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Das Herz pocht wie wild, schlägt so hoch, dass man glaubt kaum atmen zu können, das Blut rauscht laut in den eigenen Ohren, kalter Schweiß legt einen dünnen Film auf die Handinnenflächen und dazu dieses Glücksgefühl. Wenn die Leidenschaft zuschlägt, dann spielt so mancher Körper verrückt und nicht nur dieser, auch die Gedanken schauen rosarot der neuen Liebe in die Augen. Und Sex: Bitte sofort und immer mehr davon!

Das Abenteuer neue Liebe ist jedoch spätestens dann nicht mehr dieses Abenteuer, wenn die Zweisamkeit gefestigt, vertraut und sicher ist, das neu also bereits veraltet ist. Die Leidenschaft, anfangs noch stark, sinkt mit der Dauer der Beziehung, in vergleichbarer Weise wie die Häufigkeit des Sex übrigens. Den Zusammenhang zwischen Intimität und Leidenschaft beschreiben Baumeister und Bratslavsky (1999) amüsierend trocken übrigens so: Die Leidenschaft verhält sich wie die erste Ableitung der Intimität. Das heißt: Wenn zwei Personen immer intimer werden (zum Beispiel zu Beginn einer Beziehung), dann brodelt die Leidenschaft. Verändert sich die Intimität allerdings wenig (zum Beispiel in bereits sehr intimen, langjährigen Beziehungen), dann kocht die Leidenschaft auf Sparflamme.

Ob sich Intimität und Leidenschaft tatsächlich nach diesem Muster verändert untersuchten nun Rubin und Campbell (in press) an 67 Paaren, die über 3 Wochen täglich Auskunft über sich gaben. Tatsächlich zeigte sich, dass sich selbst kleine Intimitätsänderungen über einige Tage hinweg auf die Leidenschaft auswirkte: Wenn die Intimität anstieg, dann stieg damit aber nicht nur die Leidenschaft an, sondern auch die Wahrscheinlichkeit für Sex und zwar nicht nur für typischen everyday-Sex, sondern für guten Sex (gemessen an der sexuellen Zufriedenheit). Interessanterweise stieg die Leidenschaft in einer Person aber nicht nur, wenn man sich selbst dem Partner gegenüber intimer fühlte, sondern auch allein dadurch, dass der Partner mehr Intimität fühlte.

Foto von Javier Gonzalez

Manche Menschen schaffen es dann aber doch der Zeit ein Schnippchen zu schlagen und sind selbst nach Jahrzehnten des zweisamen Glücks noch so wild aufeinander wie andere nur am ersten Tag. Diese Beobachtung machte zumindest kürzlich O’Leary mit Kollegen (in press): selbst von Personen, die länger als 30 Jahre verheiratet waren, liebten ungefähr 20-40% ihre Partner noch abgöttisch. Das klingt schon deutlich optimistischer als frühere Studien, die Liebe, Leidenschaft und Sex in langjährigen Beziehungen eher eine Außenseiterrolle zuschrieben. Noch 1965 stellten beispielsweise Cuber und Haroff fest, dass nur jede fünfte Beziehung aufgrund von Zuneigung mehr als 10 Jahre hielt, in allen anderen Fällen waren praktische Überlegungen ausschlaggebend.

Auch O’Leary fand, dass die Liebe in den ersten 10 Jahren stärker ausgeprägt ist als später, glücklicherweise endet dieser Abwärtstrend nach der ersten Beziehungsdekade und bis auf einige ups-and-downs scheint der Liebespegel danach im Durchschnitt stabil zu bleiben. Obwohl Männer und Frauen vergleichbar innig lieben, ist die Liebe für die Frauen deutlich wichtiger: Fehlt die Liebe, dann ist die Frau auch deutlich unglücklicher in der Beziehung. Sex scheint übrigens keine notwendige Bedingung für intensive Liebe zu sein. Irgendeine Form der Zuneigung sollte dann aber doch schon vorhanden sein: statt Sex können aber auch Umarmungen und Küsse die Liebe befeuern.

Foto von adwriter

Wie gut eine Beziehung funktioniert ist aber nicht nur von Liebe, Lust und Leidenschaft abhängig, sondern auch vom Einsatz der beiden Beteiligten. Engagierte lassen sich eher auf Kompromisse ein und lösen Konflikte konstruktiver. Wenig engagiert und beziehungsförderlich verhalten sich dagegen diejenigen, die mit der Beziehung nicht besonders glücklich sind oder auf den noch perfekteren Partner warten. Oriña und Kollegen (2011) fanden jetzt noch eine weitere Ursache für mangelnden Einsatz: das mütterliche Verhalten im Alter von zwei Jahren! Verhält sich eine Mutter kindgerecht, dann wird ihr Kind mit 20 Jahren eher engagiert in einer Beziehung sein als ohne dieses Familienklima. Besonders katastrophal für eine Beziehung ist übrigens, wenn ein Partner besonders hingebungsvoll, der andere Partner jedoch besonders desinteressiert ist. Wenn schon ausgeprägtes Desinteresse, dann also lieber beiderseits.

Und wo wir schon bei funktionierenden Dauerbeziehungen sind: Neff und Broady (in press) fanden heraus, dass noch kein Meister vom Himmel gefallen ist und kleinere Stolpersteine im Beziehungsleben langfristig besonders haltbare Verbindungen hervorbringen. Sie untersuchten Stress bei frisch Vermählten und fanden heraus, dass insbesondere die Beziehungen belastbar waren, die mit Anfangsstress zu kämpfen hatten. Also nicht aufgeben, wenn schon der Beziehungsbeginn anstrengend zu sein droht, später lassen sich möglicherweise die Früchte dieser Mühe ernten.

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Und, schlägt Intimität nun Leidenschaft? Meist schon, aber nicht unbedingt. Im Allgemeinen sinken Liebe und Leidenschaft tatsächlich mit der Zeit, aber das ist kein unaufhaltsamer Teufelskreis. Auch nach vielen Beziehungsjahren kann durchaus ein neuer Schwung Leidenschaft anklopfen. Zum Beispiel bei neuen und aufregenden gemeinsamen Erlebnissen (das wirkt besonders bei Frauen Wunder). Wenn es sich also “aus-leidenschaftlicht”, dann hilft es Mut und Tatendrang auszupacken und das Leben (zumindest in Teilen) umzukrempeln.

Die Emotions-Monotonie lässt sich auch durch kleinere alltägliche Intimitätsanstiege verhindern. Wenn sich das Intimitätsgefühl schon nicht bei einem selbst erhöhen lässt, dann reicht es sogar dieses beim Partner zu erhöhen. Langanhaltend glücklich ist eine Beziehung eher dann, wenn beide vergleichbar verliebt / leidenschaftlich / engagiert sind auch wenn das bedeutet, dass beide “weniger geben”. Und mittelschwere Rückschläge und ähnliche Beziehungsherausforderungen sind auch eher von der sportlichen Seite zu sehen, denn mit dem Training kommt der Erfolg.

statistics’ sunny side

25 Jul

Von Kopf bis Fuß paradiesisch kleidet sich dieser Sommer – selbst die statistische Wissenserweiterung bräunt (leicht) die noch blasse Wissenschaftlerinnen-Haut. Und später sehnt man sich zurück nach diesem Wein und diesem Essen, nach den inhaltlichen und sozialen Horizont-Erweiterungen und natürlich dem überschwänglichen italienischen Temperament (da ist die eigene emotionale Instabilität nichts dagegen).

Labor meets Liebe
Sex mit Superman

14 Jul

Foto von Gioia De Antoniis

Natürlich klingt Sex mit einem attraktiven Mann verlockend. Aber ist das dann auch wirklich besser als mit einem weniger attraktiven Mann? Ob eine Frau bei Superman häufiger kommt und was sich die Natur dabei denkt, versuchen einige aktuelle Studien zu beantworten.

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Eine Frau ist dann interessant für einen Mann, wenn sie jung ist, hübsch und fruchtbar. Die Qualität eines Mannes, bewertet mit den Augen einer Frau, ist komplizierter: Erfolg, Macht und Geld klingen vielversprechend (der Mann als Ressource). Doch auch gutes Aussehen ist von Vorteil (der Mann als Accessoire). Einer aktuellen Studie von Puts und Kollegen (in press) zufolge steigern Dominanz und Attraktivität zusätzlich sogar den Spaß im Bett. Doch wie untersucht man solche Fragestellungen? Der Psychologe pflegt zu fragen, obwohl Verhaltensbeobachtungen derzeit immer populärer werden. In diesem Fall wurden 110 heterosexuelle Paare nach ihren sexuellen Höhepunkten befragt und das Äußere der Männer von unbeteiligten Dritten eingeschätzt.

Puts und Kollegen konnten so zeigen, dass maskuline Männer ihre Partnerinnen allgemein häufiger zum Orgasmus bringen und dann sogar bereits vor ihrem eigenen Höhepunkt, was als besonderes sexual pleasure gilt (dabei könnte man meinen die Gleichzeitigkeit wäre das Ziel…). Mit der Attraktivität eines Mannes steigt dagegen die Wahrscheinlichkeit für einen weiblichen Orgasmus während oder nach dem Höhepunkt des Partners. Interessanterweise bleibt dieser Orgasmus steigernde Effekt bei sexuellen Handlungen ohne Fortpflanzungs-Chance aus. Nun fragt sich der Lesende sicherlich: Wozu diese Differenzierung – warum nicht sexual pleasure immer und überall und sei es zwischen der Schönen und dem Biest?

Die Evolutionspsychologie vermutet folgendes: Ein Mann mit guten Genen zeugt zum einen gesunden, süßen und intelligenten Nachwuchs und sieht außerdem attraktiv und maskulin aus. Die Frau mit Interesse an eben solchem Nachwuchs sucht deshalb bevorzugt attraktive und maskuline Männer. Landet dann dieser attraktive/maskuline Mann mit dieser jungen/hübschen/fruchtbaren Frau im Bett, dann wäre Nachwuchs, zumindest was die langfristige Erhaltung der Spezies anbelangt, von Vorteil. Die Natur nutzt diesen Vorteil für sich indem sie in dieser Konstellation die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft erhöht: ein Orgasmus fördert eine Schwangerschaft nämlich direkt und indirekt durch (1) Beförderung des Spermas zum point of interest, (2) Erhaltung einer erhöhten Zahl fähiger Spermien, (3) verlängerter Haltbarkeit dieser Spermien und (4) wiederholten Sex zwischen diesem Mann und dieser Frau, denn wenn es einmal gut war, dann bietet sich selbstverständlich (nicht nur) eine Wiederholung an.

Foto von Rita M.

Wie maskulin und dominant ein Mann ist, hängt übrigens mit der Konzentration des Sexualhormons Testosteron zusammen. Die Testosteron-Konzentration steigt zum Beispiel dann an, wenn der Mann Interesse an einer Frau hat, diese beeindrucken oder einfach ins Bett kriegen möchte. Slatcher und Kollegen (in press) untersuchten den Einfluss von Testosteron mit einer Verhaltensbeobachtung im Labor: Je zwei Männer bekamen die Aufgabe um die Aufmerksamkeit einer jungen und attraktiven Mitarbeiterin des (ansonsten männlichen) Forscherteams zu buhlen. Männer mit viel Testosteron verhielten sich dominanter, werteten ihren Kontrahenten mehr ab und die schöne Frau fühlte sich zu diesen mehr hingezogen. Der Mann ist aber nicht nur Opfer seiner Triebe: Männer, die sich selbst generell als wenig dominant einschätzten, ließen sich nicht von ihrem Testosteron beeinflussen.

Nun ist Testosteron aber nicht nur ein Glücksbringer, sondern auch hier kommt es natürlich auf das Maß an. Wenn die Testosteron-Konzentration nämlich über das Ziel hinausschießt, dann wird aus anziehender Dominanz schnell aggressives und leichtsinniges Verhalten. Stanton und Kollegen (2011) konnten sogar noch weiter differenzieren: Sie untersuchten die Risikobereitschaft von Männern und Frauen bei mehreren Aufgaben, in denen entweder ein Geldbetrag bekannter oder unbekannter Größe gewonnen beziehungsweise verloren werden konnte. Personen mit sehr niedriger und Personen mit sehr hoher Testosteron-Konzentration (im Vergleich zu deren Geschlechtsgenossen) gingen eher ein Risiko ein als Personen mit mittlerer Testosteron-Konzentration.

Nun wirkt übertriebene Risikobereitschaft und Dominanz allgemein zwar nicht attraktiv, doch Snyder und Kollegen (2011) fanden dafür eine Ausnahme: Ängstigen sich Frauen vor Verbrechen, dann suchen sie nach einem möglichst aggressiven Partner. Was auf den ersten Blick widersprüchlich erscheinen mag, folgt durchaus einer plausiblen Abwägung: Fühle ich mich durch Überfall, Einbruch und Co besonders gefährdet, dann suche ich lieber einen beschützungs-kompetenten (also aggressiven) Mann, selbst wenn dies mit einer erhöhten Gefahr von häuslicher Gewalt einhergeht. Mit der tatsächlichen Gefahr Opfer eines Verbrechens zu werden hat diese Partnerwahl-Strategie übrigens interessanterweise nichts zu tun.

Was am Ende bleibt ist ein mitfühlendes Fazit: Der Mann und sein Testosteron haben es nicht leicht. Erhöht sich die Testosteron-Konzentration auf Superman-Niveau, so steigen bei den Männern zwar die Chancen auf eine attraktive Dame und bei den Frauen die Chancen auf guten Sex, gleichzeitig steigt aber auch aggressives und riskantes Verhalten. Doch obwohl letzteres viele Nachteile mit sich bringt, kann dem Betroffenen zumindest die Hoffnung mitgegeben werden, dass er damit vielleicht das Beschütz-mich-Gefühl der einen oder anderen ängstlichen Frau bedienen kann.